«Für eine gelingende Kommunikation braucht es viel Zeit, Geduld und gegenseitiges Verständnis.»
Toplica Bogicevic, Fachmann Betriebsunterhalt, gehörlos
Toplicas Geschichte - Brücken zwischen zwei Welten bauen.
Toplica war bis zu seinem dritten Lebensjahr hörend. Nach einer Hirnhautentzündung verlor er sein Hörvermögen fast vollständig. Die Kommunikation mit seiner Familie ist oft schwierig, da seine Eltern die Gebärdensprache nicht beherrschen. Die Schwestern hingegen haben die Gebärdensprache sowie das Finger-Alphabet gelernt, sodass sich Toplica mit ihnen besser verständigen kann. In diesem Zusammenhang erzählt er vom «Dinner Table Syndrom». Damit wird das Gefühl des Ausgeschlossenseins und der sozialen Isolation beschrieben, das gehörlose Menschen in einer Gruppe von hörenden Personen erleben können – beispielsweise am Familientisch.
Die Schule besuchte Toplica im Zentrum für Gehör und Sprache Zürich-Wollishofen. Die Sek3 – Oberstufe für Gehörlose und Schwerhörige – besuchte er ebenfalls in Zürich-Wollishofen.
Im Zusammenhang mit der Berufswahl machte Toplica im Frühling 2014 bei uns eine Schnupperlehre und erhielt für den Sommer 2014 die Zusage für einen Praktikumsplatz im Technischen Dienst. Im Anschluss an das zweijährige Praktikum mit Abschluss Hauswartmitarbeiter PrA, absolvierte er bei uns in der Stiftung von 2016-2017 die Ausbildung zum Unterhaltspraktiker EBA.
«Der damalige Chef des Technischen Dienstes hat mich motiviert und unterstützt. Er hat mir viel erklärt und mir einiges beigebracht. Ohne ihn hätte ich diese Ausbildung nicht geschafft. Es war eine sehr lehrreiche und gute Zeit.»
Anschliessend an seine Lehrzeit bei uns in der Stiftung absolvierte Toplica in der RUAG in Emmen die Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt EFZ. Bis dorthin war es allerdings ein steiniger Weg. Denn als Gehörloser eine Lehrstelle zu finden, sei sehr schwierig gewesen, erzählt Toplica. Ein gehörloser Kommunikationsassistent der Berufsfachschule für Lernende mit Hör- und Kommunikationsbehinderung (BSFH) hat ihn im Bewerbungsprozess unterstützt und ihn in dieser schwierigen Zeit begleitet. Für diese Unterstützung ist Toplica bis heute sehr dankbar.
Der Einstieg in die Arbeitswelt der Hörenden war nicht leicht. Toplica musste sich grossen Herausforderungen stellen, für sich selbst einstehen und Wege finden, um mit hörenden Menschen zu kommunizieren.
«Ich habe versucht, auch durch Lautsprache mit hörenden Menschen zu kommunizieren. Zusätzlich habe ich Notizpapier und mein Handy benutzt, um Texte aufzuschreiben und mich verständlich zu machen. Dabei hat mich auch mein Job-Coach unterstützt und begleitet. Diese Unterstützung war für mich sehr wertvoll. Trotzdem brauchte es viel Zeit, Geduld und gegenseitiges Verständnis, damit die Kommunikation gut funktionierte.»
Nach weiteren zwei Jahren bei der RUAG und Anstellungen im Bereich Immobilienunterhalt, kehrte Toplica im Jahr 2024 in die Stiftung Schloss Turbenthal zurück. Ein gehörloser Mitarbeiter hatte ihn auf die offene Stelle als Fachmann Betriebsunterhalt aufmerksam gemacht.
Toplica freut sich sehr, wieder hier zu sein. Besonders berührt ihn, dass viele Bewohnerinnen und Bewohner ihn noch kennen und sich über seine Rückkehr freuen. Auch die Zusammenarbeit mit dem Team des Technischen Dienstes bereitet ihm grosse Freude. Es macht ihn stolz und er ist dankbar, dass er sich beruflich weiterentwickelt hat und heute an einem Ort arbeiten darf, der für ihn eine besondere Bedeutung hat.
«Wenn ich auf diese Zeit zurückblicke, erinnere ich mich an viele Herausforderungen, die ich bewältigen musste. Ich bin stolz darauf, dass ich heute gut mit hörenden und gehörlosen Menschen zusammenarbeiten
und Brücken zwischen beiden Welten bauen kann. Für mich ist es besonders wichtig, dass wir uns gegenseitig respektieren, Geduld zeigen und offen füreinander sind. Ich hoffe, dass hörende und gehörlose Menschen weiterhin aufeinander zugehen und gemeinsam eine inklusive Arbeitswelt gestalten.»
Lieber Toplica, es ist grossartig, dass du die Motivation, Kraft und Ausdauer aufgebracht hast, deine Ausbildungen erfolgreich abzuschliessen. Damit hast du dir Schritt für Schritt den Weg in den ersten Arbeitsmarkt geebnet. Deine Geschichte zeigt, dass es möglich ist, sich eine Zukunft aufzubauen, auch wenn die Voraussetzungen schwierig sind und der Weg nicht immer einfach verläuft.
Wir wünschen dir weiterhin viel Motivation und gutes Gelingen. Gehe deinen Weg zuversichtlich weiter und freue dich an dem, was du bereits erreicht hast.
Turbenthal, November 2026